Das antike, wahrscheinlich römerzeitliche Wrack von Bayrak Ada

wohl Reste einer WeinamphoreDer Tauchplatz "Caretta Point" liegt in der Passage zwischen dem Festland und der Kas vorgelagerten Insel Kastellorizo und besteht aus ausgedehnten Seegraswiesen, die sich nördlich des kleinen Felseninselchens Bayrak Ada erstrecken. Ein "Nest" von Amphorentrümmern

Die schroffen Kalksteinklippen dieser Insel wurden offenbar mindestens einmal einem antiken Schiff zum Verhängnis. Am Fuße der Insel, deren Felsen bei etwa 15 m in die erwähnten Seegraswiesen übergehen, liegen auf der dem Festland zugewandten, etwa nördlichen Seite zahlreiche Amphorenscherben. Immer wieder trifft man "Nester" von Trümmern an, die in Löchern und Felsspalten liegen. Es ist nicht einmal mit Sicherheit zu sagen, ob es sich um die Reste der Ladung eines oder mehrerer Schiffe handelt, aber da die Amphoren relativ einheitlich aussehen, ist wohl ersteres zu vermuten. Da wir keine intakten Amphoren finden konnten, ist über das Alter der Fundstätte nichts sicheres zu sagen, doch erinnern die Formen an römerzeitliche Amphoren. Zumindest bei einem Teil könnte es sich um den Typ "Dressel 2-4" handeln, eine aus der römischen Provinz Betica in Spanien (dem heutigen Katalonien) stammende Art, die in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts für den Transport von Wein verwendet wurde. Sie sind allerdings eher im westlichen Mittelmeerraum verbreitet und wären hier im Osten ein etwas ungewöhnlicher Fund. Taucht man von Osten her kommend an der Kante zwischen Seegras und Felsen entlang, findet man zunächst die Trümmer von mindestens zwei, eher drei verschiedenen Arten Amphoren - eine bauchige und ein bis zwei längere, schmalere Versionen -, dann hinter einem Felsvorsprung einen Stapel großer Trümmer, die aussehen wie große Dachziegel. Es könnte sich aber auch um Reste von "Dolien" (Großamphoren) handeln.Eine relativ gut erhaltene Amphore mit Krustenschwammbewuchs Alle Scherben sind dick mit Inkrustationen bedeckt, teilweise auch mit Krustenschwämmen, die mit ihrem leuchtenden Orangerot auffällige Farbtupfer zwischen die meist bräunlichen Scherben bringen. Reste des Schiffs sind nicht zu erkennen, weder Holzteile noch Anker oder Gebrauchskeramik der Besatzung.Ein weiteres "Nest" mit Amphorenscherben Es ist zu vermuten, dass der Schiffsrumpf aufgrund der flachen Lage durch die Brandung zerstört wurde und seine noch vorhandenen Reste im Sand vergraben sind. So lässt sich auch über die ursprüngliche Lage des Wracks kaum etwas sagen, allenfalls zu vermuten ist, dass es längs der Riffwand gesunken ist.

Die Entdeckung dieser Fundstätte war für mich der Höhepunkt eines ansonsten eher langweiligen Tauchgangs, denn die Hoffnung, über der Seegraswiese Schildkröten zu sehen, erfüllte sich nicht. Immerhin trafen wir auf einige Barrakudas, an die wir aber für Fotos nicht nahe genug herankamen. Da wir noch ein Stückchen zum vereinbarten "Aufsammelpunkt" vor uns hatten, konnten wir nicht zu lange verweilen, sonst wäre sicher noch das ein oder andere zu entdecken gewesen. Trotzdem ist das antike Wrack von Bayrak Ada sicher eines der weniger interessanten um Kas, da der Erhaltungszustand der Amphoren ziemlich schlecht ist.


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