Das spätrömische oder byzantinische Wrack von Heybeli Ada

Das Oberteil einer AmphoreDas Riff Heybeli Ada liegt südwestlich von Kas zwischen dem Festland und der vorgelagerten griechischen Insel Kastellorizo/Meis. Das Riff ist stellenweise mit Trümmern übersätEs ist schätzungsweise etwa 100 m lang, hat die Form eines abgeflachten Halbmonds und bildet über Wasser eine schmale Felseninsel, die einen guten Strömungsschutz und guten Ankergrund bietet. Dass es hier aber nicht ganz ungefährlich ist, erlebten wir selbst: Wir kamen gerade noch rechtzeitig an, um die Strandung und den wohl daraus resultierenden Untergang eines anderen Tauchboots zu verhindern, das mit einem defekten Motor auf die Felsen zutrieb. Den teilweise dolchartig gezackten Felsen hätte der hölzerne Rumpf kaum lange widerstanden. Die schräg abfallende Riffwand geht in ziemlich genau 40 m in flachen Sandgrund über.

Diese Felsen sind offenbar einem antiken Schiff zum Verhängnis geworden, das dort wohl aufgelaufen und gesunken ist. Hinweise auf einen Schiffsuntergang sind die Scherben zahlreicher Amphoren, die sich etwa in der Mitte und der (von Kas aus) rechten Seite des Riffs finden. ein Mühlstein, der vielleicht als Ballast dienteEs scheint sich um ein und nicht um mehrere Schiffe gehandelt zu haben, da es sich - soweit erkennbar - um einen Typ Amphoren handelt. ein aus einer Felsspalte gezogenes AmphorenteilEs sind bauchige Behälter mit einem kurzen Hals, die relativ ähnlich aussehen wie diejenigen, die bei der Ausgrabung des byzantinischen Wracks von Yassi Ada bei Bodrum aus dem 7. Jahrhundert nach Christus gefunden wurden und Wein enthalten haben. Es kann also vermutet werden, dass es sich hier ebenfalls um die Reste eines spätrömischen oder byzantinischen Schiffes und seiner Ladung handelt, das vielleicht Wein oder Olivenöl an Bord hatte. Angesichts mehrerer byzantinischer Städte in der Nähe wie der "versunkenen Stadt" von Kekova und Myra ist das Vorhandensein eines byzantinischen Schiffswrack alles andere als überraschend. Im Gegensatz zu dem Yassi Ada-Wrack, das relativ gut erhalten war, dürfte das hiesige Schiff auf den Felsen des Riffabhangs zum Liegen gekommen und von Brandung und Strömung zerstört und verstreut worden sein.

Amphorentrümmer liegen auch auf dem Sandgrund bei 39 mDie Amphoren liegen tendenziell im mittleren bis rechten Bereich des Riffs und sind über einen relativ großen Bereich zerstreut. Tonscherben finden sich sowohl im flachen Bereich bei etwa 5 m als auch auf dem Sandgrund unterhalb des Riffs in 39-40 m Tiefe. Diese Felsen wurden dem byzantinischen Schiff zum VerhängnisEs lohnt sich, genauer in Felsspalten und Löcher hineinzuschauen, vielleicht entdeckt man dort interessante Überreste. Auf diese Weise fanden wir einen ungewöhnlichen Amphorenrest, der längs gespalten war. Anker, die hier sicher auch irgendwo herumliegen, konnten wir nicht finden. Dafür kann man aber mehrere Mühlsteine entdecken, die sich in der Antike wohl recht großer Beliebtheit als Ballast erfreuten. Wie auch andere Tauchplätze mit antiken Überresten bietet Heybeli Ada natürlich keinen Wracktauchgang im engeren Sinne. Es ist aber recht interessant, zwischen Felsen und Löchern nach Amphoren und anderen Überresten zu stöbern. Auch abgesehen davon hat das Riff manches zu bieten, z.B. sahen wir dort große Bernsteinmakrelen und große Schwärme von Mönchsfischen. Schön ist auch teilweise der Bewuchs mit Krustenschwämmen und anderem.


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