Das römerzeitliche Wrack von Üç Kaya

AmphorentrümmerÜc Kaya ist ein Felsenriff, das dem Kap von Çondur Burun an der westlich von Kas liegenden Landzunge vorgelagert ist. Vom Land aus fällt das Ufer steil ab bis zu einer mit Felsen übersäten Sandfläche in etwa 13 m Tiefe, über den hinweg man zu dem Riff tauchen kann.Steinanker Das etwa runde Felsenriff, das auf der Seeseite bis etwa 22-25 m abfällt, hat seinen Namen von drei auffälligen Felsen ("Üç Kaya" = "Drei Felsen"), die sich bis knapp unter die Wasseroberfläche erstrecken.

Zwischen dem Kap und dem Riff beginnt ein ausgedehntes Trümmerfeld aus Amphorenscherben, das das Vorhandensein eines antiken Schiffswracks signalisiert. Die Trümmer ziehen sich von der Sandfläche zwischen Riff und Festland entlang des Riffs auf eine Strecke von mindestens 20 m. Es scheint so, als ob das Schiff entweder auf dem Riff oder auf der Landzunge auflief, leckschlug und so sank, dass der Rumpf mit einer Spitze zum Land zum liegen kam. Amphoren-Trümmerfeld am RiffObwohl die Brandung im Lauf der Jahrhunderte die Amphorenscherben verteilt hat, lässt ihre Lage noch in etwa die Position des Rumpfes erkennen. Reste des Schiffs selbst konnten wir nicht erkennen, sie dürften weitgehend den Wellen und dem Schiffsbohrwurm zum Opfer gefallen oder im Sand begraben sein. Italienische Amphore - wie für den Fotografen arrangiert

Es lassen sich mindestens zwei Amphorenarten erkennen. Zum einen handelt es sich um schlanke, hohe Amphoren. Sie weisen eine starke Ähnlichkeit mit dem Typ "Pompei VI" auf, einer aus Süditalien stammenden Art aus dem 1. Jahrhundert v. Chr, die für den Transport von Wein eingesetzt wurde. Eine zweite, gedrungene Art mit flachem Boden hat deutliche Parallelen zu Amphoren aus der Provinz "Gallia Narbonensis", dem heutigen Südfrankreich , ohne mit den mir via Internet feststellbaren Typen exakt überein zu stimmen ("Gallica" 1-5). Die Ähnlichkeit ist aber so deutlich, dass die Vermutung einer Herkunft von dort plausibel zu sein scheint. Es könnte sich also um ein römerzeitliches Schiff handeln, das zunächst in Südfrankreich, anschließend in Italien Fracht, wahrscheinlich Wein aufnahm und seine Fahrt vorzeitig an den Felsen von Çondur Burun beendete. Das Ziel könnte eine der schon in der Antike bedeutenden Städte an der Küste der heutigen Türkei gewesen sein, z.B. Attalia, das heutige Antalya, oder das nahe Kas gelegene Myra, das eine Zwischenstation für den Apostel Paulus auf seinem Weg nach Rom war.

Auf der Sandfläche zwischen Kap und Riff findet man zunächst einzelne, jedoch nicht komplett erhaltene Amphoren und einen Steinanker, der eine umlaufende Rille aufweist, wohl zur Befestigung eines Taus. Amphore sud der südfranzösischen Provinz "Gallia Narbonensis"Hält man sich rechts bzw. mit dem Riff auf der linken Schulter, stößt man auf immer dichtere Ansammlungen von Scherben, die sich in großen Paketen in den Spalten und Vertiefungen des Riffs gesammelt haben. Bei etwa 20 m hat man dann gute Aussichten, intakte Amphoren zu sehen. Amphoren-TrümmerfeldBesonders malerisch ist eine "Pompei VI"-Amphore, die umgeben von Scherben gegen das Riff gelehnt steht; auch gut erhaltene Stücke der anderen Art lassen sich in der Nähe finden.

Da man hier trotz des relativ flachen Wassers gut erhaltene und sehr formschöne Amphoren sehen kann, gehören die Reste dieses Schiffs zu den interessanteren Fundstellen dieser Art bei Kas. Auch sonst bietet das Riff einen guten Tauchgang, zu den von uns gesichteten Tieren gehörte z.B. ein allerdings sehr scheuer Zackenbarsch. Ein Unglück der absonderlichen Art ereignete sich bei unserem Tauchgang, als einem Mitglied unserer Gruppe auf einmal ein Kilostück Blei direkt auf den Kopf fiel - sein über ihm schwimmender Buddy hatte es aus der Tasche verloren! Hat man noch genügend Luft, lohnt es sich um die Ecke des Kaps zu tauchen, wo sich im 5-m-Bereich eine sehr schöne, kleine Höhle befindet. Aus ihr heraus hat man einen wunderbaren Blick in das "große Blau" des Meeres.


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