Der Baumwollfrachter am Canyon-Riff

Am Heck des Die südwestlich der türkischen Hafenstadt Kas zwischen dem Festland und der vorgelagerten griechischen Insel Kastellorizo/Meis gelegenen Felsriffe sind im Laufe der Jahrtausende zahlreichen Schiffen zum Verhängnis geworden. Neben zahlreichen Amphoren, die auf antike Schiffswracks deuten, finden sich am Canyon-Riff auch die Reste eines modernen Stahlschiffs.

Reste der Bordwand des Bei diesem Wrack handelt es sich um einen kleinen griechischen Frachter, dessen Namen ich nicht herausfinden konnte. Das Schiff hatte Baumwolle geladen und lief um das Jahr 1960 wohl mit hoher Geschwindigkeit auf das Riff auf. Jedenfalls saß es so fest auf, dass es nicht mehr befreit werden konnte. Das Wrack wurde ausgeschlachtet, nach dem Ausbau der Motoren aufgegeben und gesprengt. Im Flachwasser des Riffs liegen auf der einen Seite Reste des Bugs, im tieferen Wasser auf der anderen Seite der größere Teil der Überbleibsel des Schiffs.

Diese sind recht einfach zu finden: Man taucht durch den für das Riff namengebenden Canyon ab und hält sich an die rechte Seite der Felswand, dann stößt man nach kurzer Strecke in etwa 34 m Tiefe auf die ersten Wrackteile. Neben Rohren und undefinierbaren Trümmern handelt es sich vor allem um ein großes Stück Bordwand, das auf der Außenseite zum Liegen gekommen ist. Es lohnt sich, unter die Felsen am Anfang des Trümmerfelds zu schauen, da dort eine große Languste ihre Behausung hat.

Winsch auf dem Heck des Einigermaßen erhalten hat sich von diesem Frachter ledliglich das etwa 10 m lange Stück des hintersten Hecks, das in 39,4 m Tiefe auf einem Felsabsatz liegt. Geländer am Heck des Auch dieses Rumpfstück ist aufgrund der Sprengung ziemlich verbeult und deformiert, jedoch noch einigermaßen intakt. Es liegt mit einiger Schlagseite nach rechts, das Ruder in den Sand gebohrt. Die Schrauben fehlen, so dass nur noch die beiden Schäfte links und rechts zu erkennen sind. Britische Taucher sahen sie 2002 angeblich noch , aber mittlerweile haben sie offenbar Liebhaber mit schwerem Bergungsgerät gefunden. Hinter dem Heckteil liegt ein Teil der Maschine, das aussieht wie ein Kondensator. Es ist natürlich gut denkbar, dass ein Teil des Wracks bzw. Wrackteile über die Kante des Absatzes in tieferes Wasser gerutscht sind. Ob es sich aber lohnt, diese Spur zu verfolgen, ist sehr zweifelhaft.

Bei meinem ersten Tauchgang 2004 konnte ich noch einen Blick in die Innenräume werfen, die völlig leergeräumt waren und sehr baufällig aussahen. Im folgenden Jahr ist das Wrackteil entweder weiter in sich zusammengebrochen oder ich habe das richtige Loch nicht mehr gefunden. Das Heck des Es war kein Durchschlupf mehr zu finden, der ein risikoloses Eindringen in das Innere erlaubt hätte. Diese Languste wohnt in einer Höhle unter den Trümmern des Auf dem erhaltenen Teil des Decks ist die Reling größtenteils noch vorhanden. Auch Festmachepoller befinden sich auf dem Achterdeck, ebenso eine noch relativ intakte Winde mit einem Handrad.

Insgesamt ist der Baumwollfrachter aufgrund der starken Zerstörungen kein besondes beeindruckendes Wrack. In Verbindung mit dem beeindruckenden Tauchplatz, insbesondere dem spektakulären Canyon, ist er eine schöne Bereicherung. Obwohl es kein schwieriger Tauchplatz ist, ist trotzdem Vorsicht geboten. Man bewegt sich meist jenseits der 30-m-Grenze,weshalb sowohl Nullzeit als auch Luftvorrat schnell zur Neige gehen. In das Wrack einzudringen ist keinesfalls empfehlenswert, da mögliche Einstiege eng sind, das Innere leer und das ganze ziemlich einsturzgefährdet ist. Für Dekostops ist der Canyon, wie wir selbst erlebt haben, denkbar ungeeignet, da er bei Strömungen wie eine Düse wirkt und einen nach oben drückt. Es ist deswegen sehr zu empfehen, Deko- oder Sicherheitsstops nicht direkt im Canyon, sondern an den Felswänden links oder rechts davon zu machen.


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