Die Dornier Do 24 bei Kjevik

Do 24 aus französischer Produktion (Foto: Wikipedia)DEin Lippfisch auf einem Teil der Tragflächeie Dornier Do 24 war ein dreimotoriges Wasserflugzeug und die Standardmaschine der deutschen Seenotrettung im zweiten Weltkrieg. Sie gilt als eines der besten und unverwüstlichsten Flugboote aller Zeiten. Die Entwicklung begann 1934 auf eine Anforderung des Reichsluftfahrtministeriums für ein Fernaufklärungsflugboot hin, der Prototyp flog 1937. Dornier zog zwar in Deutschland den kürzeren (hier kam die Blohm & Voss BV 138 zum Zug), erhielt aber einen Auftrag der niederländischen Marineluftwaffe über 30 Flugzeuge. 29 dieser Flugzeuge wurden in Manzell bei Friedrichshafen am Bodensee gebaut, mit amerikanischen Motoren vom Typ Wright Cyclone (875 bzw. 1.000 PS) ausgestattet und an die Firma Aviolanda bei Dordrecht in Holland zwecks Fertigstellung abgegeben. Hier begann auch die Fertigung der Do 24 in Lizenz. Als Hitlers Truppen 1940 die Niederlande überfielen und besetzten, fielen auch 13 fertige oder im Bau befindliche Flugzeuge in die Hände der Invasoren.

Ein halb im Schlamm versunkenes Propellerblatt. Nachdem sich die hervorragende Eignung der Do 24 als Seenotrettungsflugzeug erwiesen hatte, begann man, sowohl die BV 138 als auch den veralteten Doppeldecker Heinkel He 59 durch das Dornier-Flugboot zu ersetzen. Hierzu erhielt die Maschine eine große Einstiegstür für die Bergung von Menschen aus dem Wasser. Nach dem Verbrauch der amerikanischen Motoren beute man in die neuen Flugzeuge BMW-Antriebe (1.000 PS) ein. Einer der Motoren. Neben weiteren Werften in Holland fertigte auch das französische Flugzeugwerk SNCAN in Sartrouville die Do 24 in Lizenz. Dies führte man auch nach 1945 weiter. Insgesamt wurden etwa 240 Flugzeuge gebaut. 12 Flugboote gingen 1944 an Spanien, wo sie auf Mallorca stationiert waren und bis in die 1970er Jahre zu Aufklärungs- und Seenotrettungseinsätzen starteten. Eine von Dornier zu Erprobungszwecken restaurierte und mit neuen Tragflächen und Motoren ausgestattete Do 24 machte 1983 ihren Erstflug, wurde aber bald darauf wieder stillgelegt. Iren Dornier, ein Engel des Konstrukteurs Claudius Dornier, hat diese Maschine mittlerweile erworben und wieder flugfähig gemacht. Sie war mehrfach bei Flugschauen zu sehen und dient in den letzten Jahren für Rundflüge zur Unterstützung der UNICEF.

In den Innenräumen der Tragfläche wohnen Fische.Die Do 24 war in der häufigsten Ausführung „T“ mit drei BMW Bramo 323 R-2 Sternmotoren mit je 1.000 PS ausgestattet, wog 9.200 kg (Leergewicht), war 21,95 m lang, hatte eine Flügelspannweite von 27,27 m und eine Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h. Die Dienstgipfelhöhe betrug 5.900 m, die maximale Reichweite 2.900 km. Spitze des Bugs Die Bewaffnung bestand aus je einem MG im Bug und Heck sowie einer 20 mm-Kanone in einem Turm auf dem Rücken hinter den Tragflächen. Bis zur Einführung von Großraumhubschraubern war die Do 24 das wahrscheinlich beste Seenotrettungsflugzeug, das je gebaut wurde. Sie hatte eine große Reichweite, verfügte über eine ausgezeichnete Schwimmfähigkeit, konnte auch bei schlechtem Wetter und hohen Wellen starten und landen und war sehr robust und unempfindlich gegen Beschuss. Mit Hilfe dieses Flugzeugs wurden Tausende von Seeleuten, Soldaten und Zivilisten aus Seenot gerettet.

Mein Buddy Klaus beim Fotografieren des Cockpits. Das in Kjevik liegende Flugzeug soll am 22. April 1945, während es vor dem Flugfeld Kjevik vor Anker lag, dem Tieffliegerangriff eines britischen „Mosquito“-Jagdbombers zum Opfer gefallen sein. Die Besatzung überstand den Angriff demzufolge unbeschadet. Am Wrack nahmen norwegische Marinetaucher Bergungsarbeiten vor, bei denen das Flugzeug gesprengt und neben anderem auch einer der drei BMW-Motoren geborgen wurde.Cockpit auf der Seite des Kopiloten. Entsprechend stark zerstört ist das Flugzeug, das in vier Teile auseinandergebrochen ist. Trotzdem bietet es immer noch einen faszinierenden Tauchgang.

Der Tauchplatz liegt unterhalb des Flughafen-Parkplatzes und kann bis auf wenige Meter mit dem Auto angefahren werden. Über einen gemauerten Steg gelangt man komfortabel ins Wasser. Das am nächsten zum Ufer liegende Wrackteil ist mit einer Boje gekennzeichnet (ein weißer Wasserkanister). Vom Ufer aus gesehen schwimmt man etwa 50 m in eine halblinke Richtung, bis man das Seil erreicht hat. Beim Abtauchen stellt man ein für den Tauchplatz charakteristisches Phänomen fest: Die ersten paar Meter passiert man Schicht trübes Süßwasser, das von einem in der Nähe mündenden Fluss stammt. Die Reste des KopilotensitzesMan sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen, denn nach etwa 3-4 m wird das Wasser schlagartig klar, es ist aber sehr dunkel, weil kaum Licht durchkommt.

Korrodierte Wrackteile mit darauf wachsenden Schwämmen. Im fahlen Dämmerlicht zeichnen sich dann die in 30 m Tiefe liegenden Überreste des ersten Wrackteils ab. Es handelt sich um die vermutlich rechte Seite des Flügels. Die ursprünglich durchlaufende Tragfläche ist genau in der Mitte auseinandergebrochen, vermutlich weil dort gesprengt wurde, um den mittleren Motor zu bergen. Hier befindet sich auch ein weiterer der imposanten BMW-Motoren. Er ist nach vorne gekippt und teilweise in den Boden eingesunken, doch kann man noch zwei der drei Propellerblätter erkennen. Im Zwischenraum zwischen der oberen und der unteren Seite des Flügels haben sich unter anderem verschiedene Lippfische häuslich niedergelassen, und auf den Rumpfstrukturen wachsen Schwämme. Wie überall gibt es große Löcher durch die Korrosion, so dass man sich fast jeden Winkel anschauen kann. Propellerspindel eines weiteren Motors  - die Blätter fehlen längst. Die weiteren Wrackteile zu finden ist einfach, weil sie durch Seile verbunden sind. Folgt man diesen, gelangt man zu dem auf 32 liegenden vorderen Rumpfstück, das bis zum Ende der unteren Stummelflügel reicht. Es liegt eben auf dem Grund, etwa so, wie das Flugzeug früher im Wasser lag. Der vordere Teil mit dem Sockel der Kanzel für das Bug-MG und dem Cockpit ist gut erhalten. Zwar fehlen Armaturenbrett und Instrumente, außerdem haben Beschuss, Sprengungen,Detailansicht eines der BMW-Sternmotoren. vor allem aber auch die Korrosion ihre Spuren hinterlassen, doch die Pilotensitze sind noch vorhanden, ebenso die unteren Teile der Steuerknüppel. Knapp hinter dem Cockpit ist der Rumpf total zerstört. Auch hier sind zahlreiche Fische und auch Krabben anzutreffen, die sich in diesem großen Hohlraum offenbar zu Hause fühlen. Als nächstes stößt man auf die andere Hälfte des Flügels mit einem weiteren Motor. Dieser befindet sich noch in seiner ursprünglichen Halterung. Die Propellernabe ist vorhanden, aber alle drei Propellerblätter fehlen. Zumindest bei einem kann man sehen, dass es glatt abgeschnitten oder gesägt wurde. Das letzte Wrackstück ist die allerdings stark zerstörte hintere Rumpfhälfte mit dem Heckleitwerk.

Trotz der starken Zerstörungen ist die Do 24 - übrigens das wohl einzige derzeit bekannte betauchbare Wrack dieser legendären Maschine - ein faszinierender Tauchgang, vor allem wenn man sich davor ein wenig mit dem Flugzeug und seiner Konstruktion vertraut gemacht hat. Man darf allerdings nicht vergessen, dass man zwischen 30 und 32 m tief ist und sich der Aufenthalt durchaus zu einem Dekotauchgang entwickeln kann. Austauchen kann man aber ganz schön im Flachbereich, wo es von Kleinfischen wimmelt.

Foto 1: Wikipedia


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