Die "Giannis D."

Brücke bei GegenlichtDieser Frachter lief 1969 in Japan unter dem Namen "Shoyo Maru" vom Stapel. Das Schiff hatte eine Länge von 99 m, eine Breite von 16 m und 2.932 Bruttoregistertonnen. Ab 1975 fuhr es als "Markos" für eine griechische Reederei. Weichkorallen am Mastfuß Fünf Jahre später verkaufte man sie weiter. Betreiber war nun die "Durmarc Shipping & Trading Company" in Piräus. 1980 erhielt sie ihren letzten Namen "Giannis D", wobei das "D" für den Reedereinamen stand.

Am 19. April 1983 war die "Giannis D" mit einer Ladung Tropenholz auf dem Weg von Rijeka im heutigen Kroatien nach Hodeidah im Jemen. Durch einen Navigationsfehler kam das Schiff vom Kurs ab, lief mit voller Fahrt auf das Shab Abu Nuhas-Riff auf und blieb nach einem heftigen Aufprall mit schweren Beschädigungen auf dem Riffdach liegen. Die Besatzung versuchte zunächst, die "Giannis D" wieder flott zu machen, gab den Versuch dann aber auf und rettete sich auf die nahe gelegene Insel Shadwan. Das Wrack blieb einige Zeit auf dem Riffdach liegen, brach aber schließlich auseinander und sank auf den 27 m tiefen Sandgrund am Riffsockel. Der Bug lag einige Zeit auf den Riff, bis er ebenfalls "auf Tiefe" ging. Verluste an Menschenleben waren bei diesem Unglück nicht zu beklagen. Der überwiegende Teil der Ladung trieb auf der Insel Shadwan an und brachte der örtlichen Holzindustrie und den Bootsbauern einen Konjunkturschub.

Die Trümmer des in drei Teile zerbrochenen Schiffs liegen in einer Tiefe zwischen 5 und 25 Metern. Interessantester Teil ist das gut erhaltene Heck mit den Aufbauten und dem Maschinenraum, in den man bei entsprechendem Können hineintauchen kann. Blick entlang der Bordwand Wie überall, sollte man die Gefahren eines tieferen Eindringens in das Wrack nicht unterschätzen, denn die deutliche Schräglage erschwert die Orientierung durchaus - meines Wissens hat es im Rumpf der "Giannis D" mindestens einen tödlichen Unfall gegeben. Der Maschinenraum selbst ist jedoch nicht so problematisch, da man ihn ohne Schwierigkeiten von oben, durch große, neben dem Schornstein liegende Luken erreichen kann. Blick auf das Heck Auch in die Brücke kann man gefahrlos eindringen und die Aussicht aus den großen Fenstern in das Wasser hinaus genießen. Generell weist das Wrack einen schönen Bewuchs auf. Besonders attraktiv sind die mit Weichkorallen bewachsenen Masten und Ladebäume, die vom Wrack aus schräg in das Wasser ragen. Da sie strömungexponierter sind, trifft man hier eher Weichkorallen mit ensprechender Farbenpracht an, während auf dem Rumpf eher Steinkorallen anzutreffen sind.

Für Fotografen ist es aufgrund seiner abwechslungsreichen Strukturen und durch den schönen Bewuchs ein Paradies. Besonders schön wirkt das Schiff im Gegenlicht, wenn die Sonne hinter den Aufbauten steht und sich daraus ein ein phantastisches Spiel von Licht und Schatten ergibt. Die beschŠdigte SchraubeAuf diese Weise bekommt sogar die eher trist wirkende und total leergeräumte Brücke einen geheimnisvollen Zauber. Interessant ist es auch, einen Abstecher zum Grund zu machen und die Schraube zu besichtigen, die durch die Kollision mit dem Riff und wohl auch durch die folgenden Bewegungen des Wracks total deformiert ist. Während das Mittelschiff vergleichsweise unspektakulär ist, lohnt der schön bewachsene Bugteil einen Abstecher, am meisten Zeit sollte man sich aber für das Heck reservieren.

Der Tauchgang an diesem Wrack war für mich selbst eine Enttäuschung. Zum einen tauchte ich mit einer Gruppenführerin, die nicht viel von Wracks hielt und deshalb bald an das Riff wollte, und als braver Buddy folgt man dann eben. Auch an ein tieferes Eindringen in das Wrack war da nicht zu denken. Noch ärgerlicher war, dass ich beim etwas chaotischen Abtauchen vergessen hatte, den Zwischenraum zwischen Kamera (Motormarine II EX) und Objektiv zu entlüften, so dass die dort verbliebenen Luftblasen die meisten Bilder verdorben haben. In diesem einen Fall erwies sich der große Vorteil dieser Kamera, die Möglichkeit zum Objektivwechsel unter Wasser, als Nachteil. Trotzdem war es ein schöner Tauchgang an einem der interessantesten Wracks von Shab Abu Nuhas, und auch das Riff selbst mit seinen schönen Tischkorallen ist durchaus sehenswert.


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