Die "Jolanda"

Ein Mast oder Ladebaum.Die Die Ladung von oben.  "Jolanda", ein Frachter mit 1.153 Tonnen, lief 1964 auf der Werft "Juliana Construction Gironesa SA" in Gijon in Spanien vom Stapel. Sie war 75 m lang, 11 m breit und wurde von MAN-Schiffsdieseln angetrieben. Zuletzt gehörte sie einer in Piräus in Griechenland ansässigen Reederei. In der Nacht vom 1. auf den 2. April 1980 war die "Jolanda" mit einer Ladung Container, die Sanitärkeramik, Rohre und Whisky enthielten, auf dem Weg nach Aquaba in Jordanien, als sie aufgrund eines Navigationsfehlers auf das Shark Reef am Ras Muhammed an der Südspitze des Sinai auflief. Es wird erzählt, dass die Besatzung sich über die Whiskyladung hergemacht habe und sturzbetrunken gewesen sei. Angeblich wäre sogar die Brücke des Schiffs zum Zeitpunkt der Kollision nicht besetzt gewesen, und die Crew habe vor lauter Trunkenheit kaum die Boote zu Wasser bekommen. Das Schiff sank - ohne Verlust von Menschenleben - zwischen der heute als "Jolanda Reef" bekannten Korallenformation und einem kleineren Riff ("Little Jolanda"), zunächst in so flachem Wasser, dass der Bug noch aus dem Wasser ragte.

Eine hübsch bewachsene Kloschüssel. Nach Weichkorallen auf dem Trümmerfeld.einigen Tagen rutschte der Rumpfs so weit ab, dass er komplett im Wasser verschwand. In einer heimlichen Aktion haben Tauchlehrer aus Sharm el Sheik offenbar zumindest einen Teil der hochprozentigen Ladung "gerettet". Das auf seiner Backbordseite liegende Schiff wies bald einen attraktiven Bewuchs auf und entwickelte sich zu einem beliebten Tauchziel. Allerdings blieb seine Lage instabil. Obwohl es gelang, die "Jolanda" mit Hilfe ihrer Ankerkette zeigweilig zu sichern, rutschte sie langsam immer tiefer und auf die Kante zu, an der das flach absinkende Riff in einen steilen Abhang übergeht. Anfang 1987 lag die anfangs nur in 22 m tiefe Schraube bereits bei 50 m. Während eines schweren Sturms riss am 15. Mai 1987 die Ankerkette und das Wrack rutschte die steile Wand hinunter in für Taucher nicht mehr zugängliche Tiefen. 1994 versuchte man vergeblich, die "Jolanda" mit einer ferngesteuerten Videokamera zu lokalisieren.

Gestapelte Badewannen.200Massiver Bewuchs auf einem Badewannenstapel.5 gelang es den beiden technischen Tauchern Leigh Cunningham und Mark Andrews aus Großbritannen, die Überreste des Schiffs zu lokalisieren. Eine ab 60 m beginnende Trümmer- und Schleifspur führte bis zum weitgehend im Sand vergrabenen vorderen Teil des Wracks in einer Tiefe von 145 bis 160 m. Der Bug bildet die tiefste Stelle. Den Rest der demzufolge offenbar auseinander gebrochenen "Jolanda" vermuten die Taucher in einer Tiefe von über 170 Metern. Die beiden hatten den Versuch eine Woche lang vorbereitet und waren unter Gebrach von Trimix-Atemgas schrittweise in immer größere Tiefen abgestiegen. Die letzten und tiefsten beiden Tauchgänge musste Cunningham wegen Gesundheitsproblemen seines Partners alleine unternehmen. Er schleppte hierbei sechs 12-Liter-Aluminiumflaschen mit sich herum. Bei einer Zeit von über zwei Stunden im Wasser hatte er gerade mal 5 Minuten Zeit, um das Wrack zu betrachten. Derartige Aktionen haben mit Sporttauchen natürlich nichts mehr gemeinsam...

Noch einmal die Kloschüsseln.Während das Schiff selbst somit nur nReste der Aufbauten.och für Tieftauch-Experten zugänglich ist, liegen ein Teil der Aufbauten - darunter ein Mast - sowie die Überreste einiger Container samt ihres Inhalts nach wie vor an der ursprünglichen Untergangsstelle - abgesehen natürlich von den Whiskyflaschen. Aufgrund der Fracht ist ein Tauchgang hier ein besonderes Erlebnis, denn man findet zwischen den Korallen unvermittelt ein großes Sortiment an Toilettenschüsseln der Marke "Ideal Standard", teilweise noch zusammen hängende Stapel von Badewannen und die Überreste von Containern. Eine Schleifspur erinnert immer noch an die letzte Reise des Frachters hinunter am Riff. Im Flachbereich liegt auch ein zerquetschter BMW. Die Überreste weisen einen schönen Bewuchs mit Stein- und Weichkorallen auf. Natürlich kann man diese Überbleibsel nur noch mit sehr viel gutem Willen als "Wrack" bezeichnen, sie sind einfach eine humorige Zugabe zu einem der besten Tauchplätze des Sinai. Der enorme Fischreichtum und die Aussicht, Großfische zu sehen, machen aus einem Tauchgang am Shark Reef und am Jolanda Reef ein besonderes Erlebnis. Die Überbleisel der "Jolanda" sind da ein netter Dekostop, bieten hübsche Fotomotive und erheitern einen einfach durch den bizarren Anblick von mit Korallen bewachsenen Toilettenschüsseln - der Reiz des "nicht hier hin Gehörenden" macht aus diesen überaus alltäglichen Objekten dann doch einen Hingucker.


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