Die "Lara"

Der über Wasser auf dem Riffdach liegende Hauptteil des Wracks. Die über Wasser am Nordrand des Jackson Reef in der Straße von Tiran liegenden Überreste der "Lara" sind zusammen mit dem Wrack der "Loullia" auf dem Gordon Reef eines der Wahrzeichen der vier Riffe in dieser Engstelle des Roten Meeres. Sie demonstrieren auf eindrückliche Weise, dass die Riffe des Roten Meeres selbst für moderne Schiffe mit ihren präzisen Navigationsmitteln immer noch eine erhebliche Gefahr darstellen.

Wrackteile sind hier allenfalls noch zu erahnen.Für eine derartig prominente Landmarke wie die "Lara" sind die Informationen über ihren Untergang erstaunlich vage. Die Lara war mit 4.752 Tonnen ein relativ großer Frachter, der bereits 1956 in Deutschland vom Stapel lief. Sie war in Zypern registriert, als sie im November 1982 in voller Fahrt auf die Nordseite des Jackson Reef auflief. Der Aufprall war so stark, dass sich der Rumpf komplett auf das flache Riffdach schob.

Wrackteile im Gegenlicht.Über die "Lara" lassen sich wenige handfeste Informationen finden, hingegen ist der Schiffbruch von zahlreichen Gerüchten und Geheimnissen umgeben. So wird etwa behauptet, es habe sich um einen Versicherungsbetrug gehandelt. Das Schiff habe nur genug Treibstoff für die Fahrt zur Untergangsstelle an Bord gehabt. Eine weitere merkwürdige Geschichte besagt, dass bis 1985 eine Wache an Bord gewesen sei. Dies gab wohl den Anlass zu weiteren Vermutungen, dass die "Lara" etwas mit Drogenschmuggel zu tun gehabt hätte. Später scheint es illegale Abwrack- und Plünderungsaktionen gegeben zu haben. Vielleicht aus diesem Grund - also um Unfälle zu vermeiden - haben die ägyptischen Behörden um 1996 oder auch früher die Zerstörung des Wracks angeordnet. Dieser ungewöhnliche Vorgang gibt natürlich Anlass zu Spekulationen, denn in anderen Fällen von gestrandeten Schiffen wie der "Loullia" oder der "Million Hope" wurde dies nicht getan. Vielleicht gibt es also doch irgendein Geheimnis hinter dem Wrack.

Dicht bewachsene Schiffstrümmer.Von wem auch immer und warum auch immer - das Abwracken der "Lara" wurde äußerst gründlich betrieben. Auf dem Riff sind nur noch ein etwa rechteckiges Gerüst und ein aufrecht stehendes Stück Bordwand übrig geblieben. Was aus den entfernten Teilen wurde, war unbekannt, bis der italienische Tauchguide Paolo Guiotto im Februar 2001 bei einem Tauchgang an der Nordseite von Jackson Reef in großer Tiefe Wrackteile sichtete. Zusammen mit dem britischen Wrackexperten Ned Middleton untersuchte er sie genauer, und zunächst glaubten die beiden, auf ein bislang unbekanntes Wrack gestoßen zu sein. Erst später erkannte Middleton, dass es sich tatsächlich um die Überreste der "Lara" handelte. Große Teile des Schiffes liegen in einer Tiefe von 50 bis 60 m am Fuß des Riffs. Dazu gehören ein Teil des Hecks mit der Schraube in 53 m, in 61 m Tiefe ein Querschnitt durch das gesamte Schiff vom Kiel bis hinauf zur Brücke. Offenbar haben die Abwracker den Rumpf einfach in große Segmente geschnitten und die Teile dann über die Riffkante in die Tiefe gestoßen.

Weitere verkrustete Wrackteile. Zwar sind diese tief gelegenen großen Trümmer der "Lara" nur für sehr erfahrene Taucher zugänglich, aber auch im Flachbereich ist die Wand des Riffs mit kleineren Trümmern bedeckt - Leitern, Relingteilen, Stücken der Bordwand, Rohren, Stahlseilen und allerlei anderem Schrott. Viele der Trümmer sind dicht mit Weichkorallen bewachsen und deshalb sehr fotogen. Allerdings wird wegen der Strömung und der Wellen selten an der Nordseite von Jackson Reef getaucht. Wenn man die Gelegenheit hat, dann sind hier die Chancen allerdings groß, Großfische zu sehen. Morgens gibt es gute Aussichten, Hammerhaie anzutreffen, wir hingegen hatten eine Viertelstunde lang Begleitung durch Mantarochen - da sind die Reste der "Lara" allenfalls noch einen flüchtigen Blick wert...


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