Die "Minja"

Bug der "Minja" mit Sonargerät. Der 58 m lange und mit 4 schweren MGs und einer 3,7 cm-Kanone bewaffnete Minensucher "Minja" der modernen sowjetischen T-43-Klasse wurde zusammen mit drei Schwesterschiffen 1956 von der Sowjetunion an Ägypten verkauft. Hintergrund dieses Kaufs im Wert von 120 Mio. US-Dollar war sicherlich die Befürchtung, dass die Israelis im Kriegsfall den Suezkanal verminen und damit eine Haupteinnahmequelle Ägyptens zum Versiegen bringen könnten. Mit diesen umfangreichen Rüstungslieferungen versuchte die UdSSR, in der arabischen Welt Fuß zu fassen und den amerikanischen Einfluss zurückzudrängen. Das ägyptische Militär wurde in den folgenden Jahren nicht nur durch sowjetische Waffen, sondern auch durch sowjetische Ausbilder geprägt, die jedoch die ägyptische Niederlage im Sechstagekrieg von 1967 nicht verhindern konnten. Die "Minja" überstand diesen Konflikt, aber nicht lange. Es kam nicht zu einem dauerhaften Friedensschluss zwischen den Konfliktparteien, sondern zu einer Kette gegenseitiger Provokationen und Militärschläge, die 1973 in den Jom-Kippur-Krieg mündeten

Heck der "Minja& mit Ruder und beschädigter Schraube.Einer dieser "Zwischenfälle" ereignete sich am 6. Februar 1970. An diesem Tag griffen israelische Mirage- und Ouraganbomber militärische Einrichtungen in und bei Hurghada an und attackierten auch das im Hafen liegende Kriegsschiff mit Bordwaffen und Raketen. Die Stellung der in einem rechten Winnkel zum Rumpf stehenden beiden Ruder zeigt, daß die Crew verzweifelte Abwehrmanöver versucht hat, um den Geschossen auszuweichen - vergeblich: Mehrere Volltreffer rissen den Rumpf auf und ließen die "Minja" schnell sinken. Tödlich für das Schiff dürfte ein Raketentreffer am Bug gewesen sein, der ein großes Stück aus dem Rumpf riss. Die Lage auf dem Meeresgrund weist darauf hin, dass das Schiff vor oder während des Untergangs kenterte. Angeblich kamen bei dem Angriff und dem Untergang keine Menschen ums Leben, was angesichts der schweren Beschädigungen recht unglaubwürdig scheint: Die "Minja" ist von vorne bis hinten regelrecht durchsiebt. In einigen Fällen scheinen Geschosse den Rumpf komplett durchschlagen zu haben. Es ist kam vorstellbar, dass die 65köpfige Besatzung einen derartigen Beschuss ohne Verluste überlebt hat.

Dieses Trümmerfeld dient einer Muräne als Zuhause.Das 58 m lange und 8,40 m breite Wrack des Minensuchers liegt etwa 600 m entfernt vom Alten Hafen von Hurghada in einer Tiefe von 30 m mit einer Neigung von fast 100° auf der Backbordseite . Der Kiel zeigt nach. Die Aufbauten und der Schornstein haben sich teilweise in den Meeresgrund gebohrt. Überall im Schiff sind die Spuren schwerer Treffer zu erkennen. Kurz hinter dem Bug ist auf der Steuerbordseite das durch die Explosion einer Rakete gerissene Loch zu erkennen, das den Untergang des Schiffs herbeigeführt hat. Es reicht bis tief unter die Wasserlinie. Die Ränder sind zerrissen und verbeult. zerschossenes Flugabwehrgeschütz Weitere Einschusslöcher und aufgerissene Rumpfpartien sieht man jedoch auf der ganzen Länge des Schiffes. Der kurze, dicke Schornstein hat sich in den Grund gebohrt, und auch die Kommandobrücke ist durch den Aufprall deformiert worden Wenn man sich durch ein Fenster schiebt, kann man einen Blick in die Brücke werfen, deren Gerätschaften teilweise ausgebaut wurden. Wirklich interessantes ist hier aber nicht zu sehen. Die herumhängenden Kabel und Drähte scharfkantigen Trümmer und engen Türen hielten mich von einem weiteren Eindringen in das Innere des Wracks ab. Am Bug ist ein eiförmiger Wulst zu erkennen, das der Minensuche dienende Sonar. Um das Schiff herum sind Trümmer vom Rumpf, vom Radarmast, Gasflaschen und scharfe Munition verstreut.

Blick entlang des Kiels mit den Steuerrudern im Vordergrund.Interessant sind die am Heck erkennbaren Gerätschaften zum Minenräumen: Seiltrommeln und ein Kran. Drei zugehörige "Otter", die im Wasser mitgezogen wurden, um auf diese Weise Ankertauminen zu kappen, sind noch im mittleren Bereich des Wracks zu erkennen. Das Heckgeschütz mit seinen 37-mm-Zwillingrohren sieht aus, als sei es mit einer Riesenaxt gespalten worden. Auf einem Lauf wuchs eine einsame, rote Koralle, die einen tröstlichen Farbtupfer zwischen allen Trümmern darstellte. Taucht man um das Heck herum, sieht man die beiden Steuerruder und die beschädigten Schrauben. Vor der Steuerbordschraube ist die Spur eines Geschosses zu sehen, dass sich durch den ganzen Rumpf gebohrt und vielleicht auch noch einen Flügel der Schraube abgerissen hat.

Als Kriegsschiff, das durch Kampfhandungen zerstört worden ist, bietet die "Minja" einen ganz anderen Anblick als die anderen Wracks des Roten Meeres. Der Bewuchs mit Korallen ist eher spärlich, und auch der Fischreichtum ist nicht sehr groß, was vielleicht an der Lage mitten im Hafen liegt. Zu den wenigen größeren Fischen gehörte eine kleine Muräne, die sich in einer gitterartigen Struktur niedergelassen hat, bei der es sich vielleicht um einen Rest des Radars gehandelt haben könnte. Ebenfalls wohl auf die Lage im Hafen zurückzuführen ist die vergleichsweise schlechte Sicht, die zu einer düsteren Atmosphäre beiträgt. Während viele andere Wracks im Roten Meer an einen blühenden Garten erinnern, wirken die Reste der "Minja" bedrückend und gespenstisch. Ein Tauchgang zu diesem Schiff ist mit Sicherheit nicht obligatorisch, ist aber auch nicht ganz uninteressant aufgrund der Verbindung mit dem Nahostkonflikt, der uns auch heute noch beschäftigt, und dadurch, dass es sich hier um einen gänzlich anderen Schiffstyp als die anderen Wracks des Roten Meeres handelt.


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