Das römerzeitliches Wrack von Besmi Ada

Eine der beiden Dolien. Besmi Ada ist eine kleine, langezogene und kahle Felseninsel, die südwestlich von Kas zwischen dem Festland und der vorgelagerten griechischen Insel Kastellorizo/Meis liegt. Dolie mit Schwämmen.Besmi Ada hat bei den Tauchbasen den Namen "Assi Island", der daher rührt, dass dort einmal ein Tauchassistent vergessen wurde, der sich dann auf die Insel rettete und dort auf seine Abholung wartete. Um das Inselchen herum gibt es mehrere tückische Riffe; eines erstreckt sich von der Insel aus in Richtung Norden; der Tauchplatz hat den Namen "Große Amphoren". Hinter dieser Bezeichung verbergen sich die Überreste eines wahrscheinlich römischen und relativ großen antiken Schiffswracks.

Das Riff fällt von höchsten Punkt bei 2-3 m ab auf 20 m; man folgt seinem Verlauf, bis es eine Stufe aufweist, nach der es eine Tiefe von etwa 35 m erreicht. In der Nähe des westlichen Randes dieses Plateaus liegen die Wrackreste des römischen Schiffs. Der auffälligste Orientierungspunkt sind die beiden "Dolien". Hierbei handelt es sich um große, kugelige Amphoren mit sicher 1,50 m Durchmesser, die unbeschädigt, aber teils im Sand eingesunken auf dem Meeresgrund stehen. Insbesondere eine der beiden weist einen sehr schönen Bewuchs auf, auf dem Rand befindet sich ein großer Schwamm. Eine der kleineren Amphoren. Im Gegensatz zu den kleineren Amphoren, die meist "Einweg"-Gebrauchsgüter waren, scheinen diese Dolien oft fest im Schiff eingebaut gewesen zu sein und wurden dann offenbar leergeschöpft. Transportiert hat man damit oft Olivenöl.

Amphorenhaufen. Die beiden Dolien bilden die Spitze eines etwa ovalen Haufens vieler kleinerer Amphoren, der sich bis jenseits der 40-m-Grenze erstreckt. Einer groben Schätzung zufolge habe ich sicher 50 Amphoren gesehen, doch ist zu vermuten, dass sich der Haufen noch wesentlich mehr Gefäße umfasst - sein Ende habe ich wegen der Tiefe und der zuende gehenden Nullzeit nicht erreicht. Oberhalb der beiden Dolien liegen einige längliche, stark verkrustete Objekte, bei denen es um die bleiernen Ankerstöcke von hölzernen Ankern handeln könnte, die selbst nicht mehr erhalten sind. Ein Stückchen weiter an der Riffwand befinden sich auch zwei oder drei Steinanker. Das Wrack ist also offenbar grob in Nord-Süd-Richtung zum Liegen gekommen. Vielleicht verkrustete bleierne Ankerstöcke. Ob man aufgrund der Anker schon darauf schließen kann, dass sich hier der Bug befunden hat, weiss ich nicht, aber da in diesem Bereich lediglich Amphoren zu finden waren und keine Gegenstände, die nach privaten Besitztümern und Gebrauchsgegenständen der Besatzung aussahen, ist das Heck wohl eher im tiefen Bereich zu vermuten. Auffällig und ein zusätzliches "Bonbon" an der Wrackstelle sind die vielen, teils recht großen gelben Schwämme, die teilweise direkt auf den Amphoren sitzen.

Eine kleine Amphore am Fuss einer Dolie. Aufgrund der Tiefe handelt es sich hier um einen durchaus anspruchsvollen Tauchplatz, zumal an diesem Riff auch starke Strömungen auftreten können. Unseren ersten Versuch mussten wir 2004 deshalb abbrechen, wurden aber dafür mit der Begegnung mit einer großen Schildkröte auf dem Riffplateau entschädigt. 2005 klappte es dann, allerdings erforderte es einige Minuten Suche in 35 m, bis wir die Amphoren sichteten, weshalb wir nicht mehr allzuviel Zeit hatten, sie anzusehen. Auch diesmal machte uns eine durchaus starke Strömung zu schaffen. Trotzdem lohnt sich die Mühe, denn hier findet man nicht nur Haufen von Tonscherben wie an den flacheren Fundstellen, sondern fast ausschließlich intakte Amphoren, deren Lage noch etwas von dem zugehörigen Schiff erahnen lässt. Die Fracht dürfte mehr oder weniger noch dort liegen, wo sie aus dem zerfallenden Schiffsrumpf gefallen ist. Unter dem Sand befinden sich mit Sicherheit noch hölzerne Reste des Wracks. Hinzu kommt, dass das Riff selbst durchaus sehenswert ist und eine schöne Fauna und Flora aufweist. Sowohl der tiefe Bereich bei den Amphoren als auch der Flachbereich weisen einen schönen Bewuchs auf; ich habe dort auch einen riesigen Drachenkopf gesichtet, und durch die Strömung sind Begegnungen mit größeren Fischen, z.B. Bernsteinmakrelen und Barrakudas, immer möglich.


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