Die Segelyacht von Abu Galawa

Blick auf den Bug des Seglerwracks.Die Segelyacht von Abu Galawa ist eines von mindestens fünf Wracks in den südägyptischen Fury Shoals. Lange war es mir nicht möglich, irgend etwas verlässliches über dieses Schiff herauszufinden, nur dass es in den 1980er Jahren gesunken sei. Mittlerweile hat der britische Tauchjournalist John Bantin einen Artikel publiziert, in dem wenigsten die Umstände des Untergangs beschrieben werdeBlick über das Deck. n (siehe Diver 12/2008). Bantin machte Mitte der 1980er Jahre auf einem Tauchboot eine Safari in den Süden, als sein Schiff die SOS-Signale eines französischen Seglers auffing, der in der Fury Shoals Schiffbruch erlitten hatte. Die Retter stellten fest, dass das Wrack seitlich auf dem Riffdach lag, der unglückliche Skipper saß auf der oberen Bordwand. Er war auf dem Weg von Fernost zurück nach Europa gewesen, als eines Nachts Steuerung und Autopilot versagten. Das Schiff geriet in das Riffsystem der Fury Shoals und prallte mit solcher Wucht auf das Riff von Abu Galawa Seghir, dass es auf das Riffdach geschleudert wurde und dort liegen blieb. Damals waren im Süden noch so wenig Tauchboote unterwegs, dass die SOS-Signale des Seglers drei Tage lang ungehört blieben. Nachdem Crew und Passagiere des Tauchboots bereits mit der Erlaubnis des Eigners alles brauchbare aus dem nicht mehr zu rettenden Schiff ausgebaut hatten, wurde es von einheimischen Fischer so gründlich ausgeplündert, dass nicht einmal der Mast da blieb. Eine Kombination aus Springflut und Nordwestwinden dürfte dann das Wrack vom Riffdach in die Tiefe befördert haben, wo er bis heute liegt. Es zeigt sich hier übrigens wieder einmal, dass die vor Ort erzählten Geschichten zu Wracks nicht selten wenig glaubwürdig sind. Mir wurde berichtet, der Segler sei gesunken, als er hinter dem Riff vor Anker gelegen sei. Der Wind habe sich nachts gedreht und das Schiff auf das Riff gedrückt, wo es leck gesprungen und gesunken sei. Diese Geschichte trifft wohl stattdessen auf den in der Nähe liegenden "Orca-Katamaran" zu, dessen Reste aber so kümmerlich sind, dass wir sie übersehen haben, obwohl wir in unmittelbarer Nähe vorbeigetaucht sind.

Bewuchs an der RelingDas Wrack liegt direkt neben dem üblichen Ankerplatz für Tauchboote an der Riffplattform von Abu Galawa Seghir (oder Abu Galawa Soraya) hinter einer kleinen Säule. Glasfische im Rumpf Wenn man zwischen dem Hauptriff und der Säule durchtaucht, hat man den Bug des in 14 m Tiefe mit dem Kiel zum Riff auf der Seite liegenden Wracks vor sich. Bei halbwegs guter Sicht sieht man es schon von der Wasseroberfläche. Der Rumpf ist schön mit Stein- und Lederkorallen bewachsen. Auffällig sind die Edelstahlstangen des Geländers, die trotz Bewuchs noch im Sonnenlicht glänzen.

Die Decke der Kajüte fehlt, weswegen man das Innere betrachten kann, ohne hineinzutauchen. Das sollte man wegen der Enge und der Gefahr, Korallen zu beschädigen, besser bleiben lassen. Auch die Holzbeplankung des Decks ist weggefault, weswegen man zwischen den eisernen Trägern hindurch ohne weiteres das Innere besichtigen kann. Durch das Loch kann man einen großen Schwarm Glasfische, mehrere Zackenbarsche sowie allerlei mehr oder weniger gut erhaltene Bestandteile der Ausstattung bewundern. Ein paar Meter vom Rumpf entfernt liegt die Kloschüssel.

Das Wrack kann sich natürlich nicht mit großen Schiffen vergleichen lassen, stellt aber eine reizvolle Ergänzung eines an sich schon schönen Tauchplatzes dar. Insbesondere im hinteren Bereich des Riffs findet sich ein wunderschöner Steinkorallengarten, und in den Korallenblöcken am Ankerpatz finden sich Muränen und Nacktschnecken.


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